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THE »BOG BLOG«

 

05.10.2018 | Der große Schritt

Es ist geschafft. Irland ist nun offiziell unsere neue Heimat. Nach sechs Wochen Ämterlauf (eine neue olympische Disziplin, in der es darum geht, im Slalomlauf um bürokratische Vorgaben Geduld, mentale Stärke und Zielstrebigkeit zu beweisen) haben wir unsere Unterschriften unter das Dokument gesetzt, das es uns ermöglicht, die ersten Monate hier heimisch zu werden.

Begonnen hat alles so wie erhofft. Der Umzugsservice – noch mit wagen Zeitangaben – wurde organisiert, die Menschen beim AMS und auf den anderen Ämtern erwiesen sich als freundliche Helfer, die nur etwas bürokratische Last abarbeiten mussten, und das Zauberwort „Irland“ erwies sich als lang gehegter Traum vieler Menschen. Christinas Lieblingsgeschichte spielte in einem Villacher Straßenbauamt. Wir wollten eine Parkerlaubnis für den Umzugs-LKW und wurden entsprechend ämtergeschulter Höflichkeit vorstellig:
„Was brauchen’s denn?“
„Eine Absperrung für 4 Parkplätze wegen eines Umzugswagens.“
„Da müssens des Formular ausfüllen.“ Die Amtsdame reicht ein Formular herüber. "Dann geht des weiter zum Sachbearbeiter. Der meldet sich dann bei ihnen. Sie können des Formular wen sie's ausg'füllt haben per E-Mail reinschicken."
„Wenn wir alle Daten hier haben, könnten wir es aber auch gleich ausfüllen, oder?“
„Wenns alles da haben….“
Wir hatten uns vorher telefonisch erkundigt und die nötigen Papiere und Informationen dabei.
„Die Kollegin wird ihnen dann noch eine Kopie der Straßenansicht geben, dort tragnes bitte den ungefähren Platz ein.“
Wir machen uns an die Arbeit – „Dürfen wir uns kurz daher setzen?
„Ja!“ (Noch hat kaum ein Blick der Beamtinnen ihre Bildschirmarbeit verlassen. Lediglich beim Kopierer gab es Blickkontakt.
Nach einer Frage zum Formular kommt dann doch etwas wie Neugier auf. „Wo ziehens denn hin?“
„Irland“
„Irland?“ zwei Köpfe drehen sich vom Bildschirm weg. „Irland!“ – Stoßsäufzer – „Wirklich?“
Lächeln auf den Gesichtern und eine kurze Geschichte später verabschieden wir uns von Mensch zu Mensch. Irland ist ein Sehnsuchtsort – irgendwo zwischen Rosamunde Pilcher und dem „Alten Mann und das Meer“. Und als wir uns nach einer knappen Woche telefonisch erkundigen, wann wir die Verordnung zum Abholen der Schilder erwarten dürfen, erinnern sich die beiden Damen immer noch an die Ausreisewilligen auf ihrem Weg in den fernen Westen.

Die Vorbereitung ist gespickt mit solcherlei Episoden. Aber es gibt auch schwere Wege. Abschiede, die vielleicht für immer sein könnten, Menschen, die wir genauso ins Herz geschlossen hatten wie sie uns, bleiben zurück und es ist nicht leicht loszulassen. Auch wenn der Kopf sagt, wir sind nur gute zwei Flugstunden entfernt, wird man diese Reise nicht allwöchentlich auf sich nehmen. Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle auch all unseren lieben Familienmitgliedern, die uns auf unterschiedlichste Weise wohlwollend unterstützen, sei es kistentragend mit anpackend, sei es mit Nebenwohnsitz-Adresse, sei es mit hilfreichen Tipps bzgl. Auto oder einfach mit wohlwollenden Gedanken...

Anfang der letzten Woche waren dann auch alle Kisten gepackt und die "Packing List" an den Umzugsservice gemailt. Da der Möbelservice die Kisten über max. ein Stockwerk trägt, unsere Wohnung sich jedoch im 3. Stock Altbau ohne Lift befand, galt es nun nur noch die Kisten im Keller zur Abholung bereitzustellen. Eine Freundin hat uns auf die Idee einer Kistenparty gebracht, denn wenn man gemeinsam anpackt sind die 72 Packstücke rasch verstaut und es bleibt noch Zeit, sich bei Pizzabrötchen und Getränken nochmal gemütlich zusammenzusetzen. So hatten wir also in zwei Runden zur Kistenparty geladen. Vorher wussten wir nicht, wer kommen würde und in welcher Hilfsbereitschaft sich jeder an der Trageaktion beteiligen würde. Doch unsere Freudinnen und Freunde sind einmalig. Sie haben uns mit dieser großen Arbeit nicht allein gelassen. Und unsere liebe Freundin Dagmar hat uns am letzten Tag sogar noch bei der Endreinigung der Wohnung tatkräftig unterstützt. Allen großen und kleinen Helfern sei an dieser Stelle noch einmal allerherzlichst gedankt!!! Seid uns willkommene Gäste, wann immer ihr euch danach fühlt. Eure Hilfe ist wirklich nicht mit Gold aufzuwiegen!

Dann blieb nur das Warten auf den Freitagmorgen – Tag der Abholung und des Aufbruchs. Der Truck war für 9 Uhr bestellt. Schließlich war auch das letzt Auto mit Hilfe der Polizei aus dem georderten Parkraum verschwunden und wir warteten. Wir warteten auf das berühmte "Taxi", das nicht kam... Unser Home Moving Service war aus unerfindlichen Gründen heute telefonisch nicht erreichbar und so mussten wir über den Subcontracter recherchieren. Über Umwege erfuhren wir, dass der avisierte Truck gerade eine Ladung in Deutschland abfertigt und dann am Nachmittag bei uns sein soll. Nachmittag stellte sich nach mehreren Telefonaten und Stauupdates als 20.30 Uhr heraus, also knapp 30 Minuten nach Ablauf der besagten amtlichen Parkverordnung. An dieser Stelle möchten wir unserem lieben Freund Franz besonderen Dank aussprechen, der für uns die Rückgabe der Parkverbotsschilder an das amtliche Schildermagazin übernahm und uns half, mit vereinten Kräften die Kisten in den Truck zu bekommen. Die Leute vom Moving Service waren wunderbar unkompliziert und schafften mit uns das Unmöglich scheinende doch noch zu schaffen: Die für Sonntagmittag ab Frankreich gebuchte Fähre nach Irland war noch erreichbar...

Dann ging die Abenteuerreise erst so richtig los. Direkt nach dem Verladen der Kisten machten wir uns auf den Weg Richtung Irland, froh, den ersten Teil des Kapitels abgeschlossen zu haben. Der geplante Übernachtungsbesuch bei Christinas Cousine bei Karlsruhe/D war auf Grund der verzögerten Kistenabholung leider nicht mehr möglich. So beschlossen wir, die Ruhe der Nacht auf der deutschen Autobahn zu nutzen und möglichst weit zu fahren. Zwischendurch gönnten wir uns auf einem Rastplatz ein paar Stündchen Schlummer zusammengefaltet in unserem vollgepackten Citroen C4 und brachen Samstagmorgen ganz früh zur Weiterfahrt auf. Wir kamen ohne Staus rasch voran. So war es uns dann tatsächlich möglich, mit einigen kleinen Powernapping-Pausen die Strecke zwischen München und Le Havre in einem Stück zu bewältigen. Knapp vor der ehemaligen Wikinger-Siedlung fanden wir schließlich ein B&B Hotel und waren so froh, unsere Beine in waagrechter Position ausstrecken zu können. Nur noch knapp drei Stunden Autofahrt zu unserem Ziel Cherbourg am Sonntagmorgen – das war gut zu schaffen!

Es blieb uns sogar noch eine knappe Stunde Zeit übrig bis zum Check-In für die Fährüberfahrt. Das Boarding verlief zügig und die Fähre legte pünktlich um 15:00 Uhr ab. Glück, du kannst es gar nicht fassen – auf dem Schiff wurde via Sky TV live in der Lounge gerade die entscheidende Zeit des Ryder-Cup-Finales (Golf) übertragen! So konnten wir die Phase des Loslassens und Entspannens an Bord doppelt genießen. Die See erwies sich als freundlich gesinnt – wir glitten sanft auf den Wellen schaukelnd in Richtung unserer neuen Heimat. Und als wir am nächsten Morgen aus unserem Erschöpfungsschlaf erwachten, war die Küste Irlands bereits in Sicht.

So sind wir glücklich und erleichtert auf unserer Lieblingsinsel angekommen und mit jedem Kilometer irischer Straßen, der uns unserem Häuschen näher brachte, fiel der Stress der letzten Wochen weiter ab. Montag Nachmittag haben wir es geschafft: Wir sind in unserem neuen Zuhause angekommen. Nun erwartet uns das große Abenteuer hier. Aber wir haben Startvorteile. Marie erwartet uns schon mit einem freudigen "Yahooo!" und einer lieben Umarmung, ebenso unsere Vermieter Val und Phil. Wir haben Einladungen zu Traditional Music Sessions, zum Set Dancing und zu Festivals, die Golfplätze, Strände und Seehunde warten – wir brauchen nur aus den großartigen Möglichkeiten zu wählen... In jedem Fall haben wir mit Irland richtig gewählt! Ein dickes Dankeschön an dieser Stelle allen unseren neuen Freunden, die uns hier in Irland so herzlich willkommen heißen und damit helfen, unsere Brücke zwischen Österreich und Irland tragfähig werden zu lassen...

Wir möchten den heutigen Blog diesmal ohne Bilder stehen lassen, da die vergangenen Tage und Wochen einfach zu dicht waren, um sie auch noch fotografisch zu dokumentieren. Danke für euer Verständnis ;)

 


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