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THE »BOG BLOG«

 

16.10.2018 | In Irland angekommen

In Irland angekommen... Was heißt das? Oder was könnte es in unserem Fall bedeuten? Angekommen heißt jetzt mal, in einem ölbewärmten, elegant eingerichteten Bungalow die ersten Schritte in den neuen Lebensabschnitt zu gehen. Es heißt auch, auszupacken, die Golfschläger zu aktivieren, Freunde zu treffen, sich bei den Nachbarn zu melden, die Gegend zu erkunden, sich für Jobs vorstellen, Netzwerke knüpfen, Freunde finden. Ankommen heißt aber auch, Verantwortung zu übernehmen, mitzuhelfen, einen Sturm auszusitzen und Einkaufsmöglichkeiten zu erkunden Mülltonnen zu organisieren oder auch eine Telefonleitung zu aktivieren.

All diesen Beschreibungen liegen Geschichten zu Grunde, die wir in diesem Blog kurz erzählen wollen. Beginnen wir beim Öl. Das kommt auch in großen Mengen mit Tankwagen direkt vors Haus und ist eher eine unspektakuläre Geschichte, wenn es nicht eine bestimmte Lektion beinhalten würde. Nämlich dass hier alles online abgewickelt wird. Terminabsprachen macht man nicht persönlich, sondern man organisiert eine Zeit (Zeit ist hier immer ein Zeitraum, nicht eine bestimmte Uhrzeit) um kurz danach von den zuständigen Menschen an den Maschinen kontaktiert zu werden, um echte Termine auszumachen. So haben wir beispielsweise auch seit ein paar Tagen ein funktionstüchtig angeschlossenes Festnetz-Telefon mit Nummer, das wir aber systemtechnisch nicht haben können, weil es EDV technisch trotz mehrmaliger Anmeldung wegen Anschlusspunktdifferenzen nicht existiert. Die irische Telekom steht vor einem Rätsel. Aber das ist eine andere Geschichte. Jedenfalls kommt Vieles, auch das Öl, oft schneller als man denkt – vorausgesetzt, man ist zufällig gerade zu Hause.

Was noch nicht gekommen ist, sind unsere Möbel und Kisten. Aber das ist eine längere Geschichte, der wir uns in unserem nächsten Blogeinträge widmen wollen.

Jedenfalls können wir uns auf irische Unternehmen bislang im Großen und Ganzen verlassen. Es braucht nur ab und zu Geduld und ein wenig Arbeit um die offiziellen Wege herum. Bleiben wir aber erst mal bei unserem Haus. Nach zwei Wochen Eingewöhnung lernen wir die Vorteile eines gut gepflegten Hauses immer mehr zu schätzen. Und die berühmte Feuchtigkeit, die sich in alle Räume schleichen soll, so das Haus nicht auf 25 Grad aufgeheizt wird, ist sogar an Regentagen obsolet, wenn man sich einen Entfeuchter ins Haus stellt. Der Tipp kam von Margaret, einer vor 30 Jahren nach Irland eingewanderten Deutschen, die sich in den heimischen Sessions besonders gut auskennt und uns mit Tipps und Tricks aus der Einwandererschublade versorgt. Ihr altes Cottage schafft auch ohne Dauerheizung ein angenehmes Klima dank eines gut eingerichteten Entfeuchtungsgeräts. Also schaffen wir uns auch ein solches an – im Sonderangebot beim lokalen Elektrowarenhändler. Hier in Irland sind die großen Ketten nicht immer die billigeren Einkaufsalternativen. Kleine Shops haben oft weniger im Angebot, aber oft günstigere Preise. Auch das fordert eine gewisse Umgewöhnung.
Jedenfalls schaffen wir uns in unserem Häuschen ein wunderbares Wohlfühlklima. Und das Wetter spielt auch eine ganz entscheidende Rolle. Denn seit wir in Irland zurück sind, gibt es kaum Regentage. Der eine oder andere Schauer, ja sogar „Collum“, unser erster echter Herbststurm in Irland, will bei uns in den oberen Midlands nicht so kräftig blasen, wie allgemein befürchtet. Der einzige Regentag vorigen Samstag bringt den Wochenniederschlag, aber wir nutzen die Outdoor-Pause für ein Shoppingerlebnis bei Ikea in Dublin. Wem das alles jetzt zu viel und durcheinander geht, hier ein kleiner Überblick der wichtigsten Errungenschaften der vergangenen zwei Wochen.

Sessions und Musik

Wir hatten bisher drei echte Pubsessions, eine Geigenstunde mit Gerry Harrington in seinem echt-irischen Cottage inclusive einer Vertiefung in irische Kultur-Historie, ein Chorabend mit Sarah Garden, zwei traditional Set-Dancing-Abende mit den Tänzern und Tänzerinnen aus Leitrim Village unter der Leitung von Eileen Guckian, die uns in der Truppe herzlichst willkommen geheißen hat, und eine große Singing Session im Quinn’s, unserem local Pub, vor dem großen Finale des „GAA Football“ zwischen Annaduff und unserem neuen Heimatort Fenagh. Mit unseren Liedern bekamen wir gleich auch eine neue Rolle in der Gemeinde.

Freundschaft/Nachbarschaftspflege

In unserer Straße haben wir eine größere Einwandererquote als erwartet. Neben unseren irischen Nachbarn leben hier auch zwei Deutsche und eine Schweizer Familie, die sich diesen idyllischen Ort erobert haben. Und einer dieser Zuwanderer heißt Steffen. Hier schreibt er sich allerdings Stephen. Er hat drei Hunde und ein Pferd namens Rosie, das er uns auch gleich mal über ein verlängertes Wochenende zur Pflege anvertraut. Diese Geschichte müsste eigentlich ein längeres Intro und Extro bekommen, aber wohl zu einem anderen Zeitpunkt. Dafür gibts ein paar Fotos hier:

Rosie Rosie

Dann gibt es noch Phil und Val, unsere fantastisch-hilfsbereiten Vermieter, und Marie, die sich wie immer rührend um uns kümmert und uns hilft, unseren Platz in dieser Gemeinschaft zu finden. Und da ist Ann, Christinas Tanz-Freundin, die uns herzlich zu sich einlädt und deren abenteuerlich gelegenes Haus wir nach langem Suchen dann auch tatsächlich finden. Hausbesuche sind hier etwas ganz Besonderes. Was mit einer gastfreundlichen Tasse Tee beginnt, dauert meist mindestens eineinhalb Stunden. Es gibt immer so viel zu erzählen und auszutauschen und wir werden überall mit so viel Herzlichkeit und Humor empfangen. So auch gestern wieder, als wir unserem Session-Freund Máirtín auf seinem Hausboot, auf dem er lebt, einen kurzen Besuch abstatten wollten. Aus dem Kurzbesuch mit der obligaten Tasse Tee in der Hand wurden schließlich volle vier Stunden. Am gemütlich bullernden Schiffsofen sitzend mit schnurrender Schiffskatze auf dem Schoß folgte eine Geschichte der anderen bis wir schließlich gemeinsam beschlossen, noch einige davon für das nächste Mal übrig zu lassen.
Ob bei Val, Phil, Ann, Máirtín, Margaret oder Marie - überall bekommen wir hilfreiche Tipps und echte Assistenz bei unseren Fragen und auch immer wieder neue Perspektiven.

Shoppen und Jobs

Neben den Supermarkt-Ketten wie SuperValue, Tesco und Curries gibt es in Irland eine ganze Menge an kleinen Geschäften und Geschäftsideen zu eindecken. Die Versorgung mit Bio-Lebensmitteln geht am schnellsten geht über Wochenmärkte wie in Carrick, aber es gibt auch ab-Hof-Verkäufe und sogenannte Poly-Tunnels (kleine Gewächshäuser) mit der Idee, selbst einen solchen zu errichten. Auch gutes Quellwasser ist zu finden, wenn man weiß wo. Die entsprechenden Tipps werden bei einer Tasse Tee gern weitergegeben.

Ein erster Dublin-Trip zu Ikea zeigt uns, dass wir mit zwei oder maximal drei Autostunden fast überall sein können - selbst mit unvorhergesehenen Diversions (Umleitungen). Ideal, wenn sich Dinge sinnvoll miteinander verbinden lassen. So eröffnet in unserem Nachbarcounty Longford „Center Parcs“, ein internationales Unternehmen, ein neues Feriendorf, für das im Laufe der nächsten Monate bis zu 1000 Menschen eingestellt werden sollen. Dazu wurde vergangenen Samstag vor Ort eine Job-Präsentation veranstaltet. Eine erste vorstellbare Jobmöglichkeit für uns! Wir meldeten uns als Interessenten gleich schon mal online an. Und da Longford auf dem Weg nach Dublin liegt, ließen sich Center Parcs und Ikea wunderbar verbinden.

Auch die Kooperation mit dem hiesigen Arbeitsmarktservice funktioniert soweit gut. Wir haben jetzt unsere „PPS Number“ mit Karte und Foto, ohne die hier gar nichts geht. Einwohnerregistrierung, Behördenwege, Vertragsunterzeichnung, Gesundheitsservice uvm – die PPS Number machts möglich!

Nach und nach zeigen sich Möglichkeiten auf, doch auch hier mit Musik ein paar Euronen hinzu zu verdienen. Marie und Máirtín haben dazu gute Vorschläge, die helfen können, über unsere Fähigkeiten eine Existenzgrundlage aufzubauen. Langsam kommen die Dinge zusammen, und die verbliebene Unsicherheit weicht langsam dem Gefühl, dass sich alles hier fügt. Nach und nach wird das Bild immer klarer.

Freizeit und Sport

Dass unser neuer Heimatort Fenagh mit seinem Gaelic Football Tam das Finale der Liga erreicht hat, ist hier eine große Sache. Marie und Val als Chair People des Vereins sind entsprechend aufgeregt und gespannt und wir mit ihnen. Letzten Sonntag war es dann soweit. Nach einer intensiven Vorbereitung inklusive Beflaggung der ganzen Gegend (wir waren die ersten mit einer großen, rot-schwarzen Fenagh-Flagge am Eingangstor) kommt es zwischen den Teams von Annaduff und Fenagh zum Schlagabtausch – und das ist im Gaelic Football kein Euphemismus! Leider endet das Spiel nach 60 + 5 Minuten mit einem Unentschieden, was soviel bedeutet, dass wir auch nächsten Sonntag wieder auf der Zuschauer-Tribüne in Carrick sitzen werden und unsere Fenagh Handflagge schwingen müssen. Golf ist da einfacher. Unser Club ist nur wenige Autominuten entfernt und… - aber ehrlich, wer sich das alles durchgelesen hat, der weiß, dass wir noch kaum zum Spielen gekommen sind, weil sich täglich neue überraschende Begegnungen ergeben und Netzwerken offenbar momentan noch im Vordergrund steht. Umso überraschender, wenn man dann an einem wunderschönen Herbsttag doch mal wieder Zeit findet, so wie wir heute, und dann einen ganzen ebenso wunderschönen Golfplatz für sich allein hat!

Golf Golf

Aber nun erstmal genug für heute – der nächste Blog folgt bald…

Hier noch ein paar Foto-Eindrücke:

Sonnenuntergang
Sunset-Abendspaziergang zu unserem Lieblingsbaum

Seespaziergang
Spaziergang zu unserem See

Stadtbummel in Carrick
Stadtbummel in Carrick-on-Shannon: am Ufer des Shannon, wo die Hausboote unterwegs sind

AKTUELLER NACHTRAG:
Wir haben gerade unser Festnetz bekommen und sind ab sofort wie folgt erreichbar:

Chris & Niko Irland Festnetz: 00353 71 964 25 52
Niko Irland Mobil: 00353 85 85 67 065 (Nikos österreichische Nummer ist dzt nicht aktiv!)
Chris Österreich Mobil: 0650 51 75 468

 


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