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THE »BOG BLOG«

 

31.10.2018
Personal Halloween oder: Der große Grusel

Im letzten Blog haben wir angekündigt, euch die etwas längere Geschichte unserer Umzugskisten zu erzählen und wollen uns nun dieser Aufgabe stellen. Die Nächte um Halloween geben dazu den richtigen Ramen, denn in gewisser Weise handelt es sich um unsere ganz persönliche Gruselgeschichte.

Eigentlich wäre ja alles ganz einfach gewesen. In der letzten Septemberwoche hätten die von uns fertig gepackten Kisten in Villach abgeholt und innerhalb von 10 Tagen bei uns in Irland zugestellt werden sollen. Alles war mit unserer englischen Umzugsfirma abgesprochen und wir waren uns unserer Sache soweit sicher. „Pearsons Home Moving Service“ (GB) sollte uns wie vereinbart einen Termin bis spätestens Donnerstag, 27.09. zur Abholung unserer Kisten durch den von ihnen beauftragten „Subcontractor“ buchen. Das Ticket für die Fähre von Frankreich nach Irland war für Sonntagmittag gebucht und zwei Tage Anfahrtszeit einkalkuliert.

Welch Überraschung als wir erfuhren, dass uns Freitag, der 28.09. zur Abholung unserer Kisten zugeteilt wurde! Ziemlich verärgert darüber richteten wir an unsere Umzugsfirma die eindringliche Bitte, diesen Termin wenigstens in den Vormittag zu legen. So wurde uns eine Zeit um zwischen 9 und 11 Uhr für die Abfertigung in Aussicht gestellt.
Damit schien die Welt noch in Ordnung. Es gelang uns in dieser letzten Woche termingerecht zu packen, zu putzen und die Wohnung zu übergeben. Dann kam der Freitag. Bis Mittag war kein Truck zu sehen. Also gings ans telefonieren. Aber bei „Pearsons“ war keiner erreichbar. Ein Anrufbeantworter versuchte uns zu vertrösten. Trotz mehrmaliger Versuche erhielten wir keine Antwort. So mussten wir selbst den „Subcontractor“ kontaktieren. Wir wussten, dass dieser „Abels Moving Service“ hieß und ebenfalls in GB ansässig war, doch wusste man dort zunächst einmal nicht, was sie mit Pearsons zu tun hätten. Nach kurzer Recherche aber bestätigten sie, dass unsere Abholung für den späteren Nachmittag eingeplant war. Das warf unsere inzwischen recht knapp getimte Planung für die Fahrt nach Frankreich mit Übernachtung bei Christinas Cousine in Karlsruhe erneut über den Haufen.

Lange Rede kurzer Sinn, der „Moving Service“ kam nach weiteren Verspätungsmeldungen endlich gegen 20:30 an. In einer Gemeinschaftsaktion (ein dickes Danke hier nochmal an unseren lieben Freund Franz!!) waren unsere Sachen rasch verladen und so starteten wir Spätabends in unser Abenteuer - unsere Kisten mit Abesl Home Moving Truck und wir mit unseren Musikinstrumenten, unseren Dokumenten und zwei Kleiderkoffern in unserem braven Auto. (Aufmerksame Leser dieses Blogs haben schon einige Details dieser ersten Fahrt miterleben können.)

Ein paar Tage nach unserer Ankunft in Irland begann das Warten erneut. Die Fahrer des LKW’S hatten angekündigt, etwazu Wochenmitte in England zu sein, wo unsere Sachen dann für den Weitertransport nach Irland umgepackt werden sollten. Donnerstags folgten unsererseits weitere Anrufsversuche und wiederum keine Antworten von Pearsons. Ein Anruf bei "Abels" brachte die erschreckende Nachricht: "Pearsons" sind Ende September Pleite gegangen. Die Bankrott-Erklärung unseres Moving Services jagte uns erst mal kalte Schauer über den Rücken, denn im Internet kursieren diverseste Geschichten von betrügerischen Bankrotteuren. Weitere Recherchen bei Abels brachten zunächst auch keine wirkliche Beruhigung oder entsprechendes Licht in die Sache.

Weitere Tage vergingen. Von unseren Sachen wussten wir nur, dass sie im Warenlager von „Abels“ in Sussex/GB zwischengelagert wurden und dass „Abels“ sich um die Abwicklung mehrerer "Pearsons"-Kunden kümmern mussten, die alle in derselben Situation steckten. Aber auch mehrmaliges E-mailen half nicht, um weitere Details zu bekommen. Nun waren wir endlich im Land unserer Träume, erlebten wunderbare Dinge und konnten sie alle doch nur zum Teil genießen, denn ein Teil unserer Aufmerksamkeit lag immer wieder bei dem leidigen Thema – was passiert mit unseren Sachen? Werden wir sie überhaupt je wiedersehen? Es waren keine wirklich wertvollen Dinge, wohl aber so viele kleine persönliche Gegenstände, die ein Haus in ein zu Hause verwandeln. Ohne sie würden wir …. - nein, ohne sie wollten wir gar nicht denken. Also musste eine Lösung her. Connie, eine unserer neuen irischen Freundinnen half uns mit Rat und guten Beziehungen. Sie hat zwei Rechtsanwälte in der Familie und die halfen uns schnell und unkompliziert mit Infos und Hinweisen weiter.

Mit dem entsprechenden Wissen im Gepäck konnten wir nun an Abels Moving Service (denn die hatten ja unsere Sachen) Forderungen stellen mit dem Hinweis, wir seien mit einem befreundeten Solicitor (Anwalt) in dieser Angelegenheit in Kontakt. Keine halbe Stunde später hörten wir von den weiteren Vorgängen und bekamen Hilfe angeboten. Mittlerweile lebten wir schon fast zwei Wochen in Irland. Unsere Unsicherheit wich einer leichten Zuversicht. Wir würden unsere Sachen wieder in Empfang nehmen können, wenn auch nicht für den erhoffen günstigen Preis. Nach Bezahlung eines Aufpreises wurde uns endlich für Mittwoch der vierten Woche die Lieferung in Aussicht gestellt. Die finanzielle Abgeltung von Pearsons müsste in die Konkursmasse eingeklagt werden und wenn das nicht helfe, dann gäbe es noch eine Schirmorganisation (BAR) die in solchen Fällen den Kunden zur Seite stehen würde. Ob das alles aber hält werden weitere Mails und Anfragen in den kommenden Wochen hoffentlich klären.
Als sich der besagte Mittwoch näherte war uns die Aufregungen der letzten Wochen klar anzumerken. Wir waren gespannt wie Regenschirme und entsprechend gereizt. Also suchten wir Ablenkung: Christina widmetet sich der Wäsche im Garten und Niko bewachte das Telefon um den ersehnten Anruf zur Ankündigung der Lieferung nicht zu versäumen. Eine weitere Verspätung später ratterte der Kleinbus mit unseren Sachen heran.

Eine Phase der Verunsicherung hat ihr vorläufiges Ende gefunden. Wir haben unsere Sachen wieder, im Großen und Ganzen unversehrt. Kleinere Scherben beim Steingut – leider zwei zerbrochene Teller – aber sonst war alles heil angekommen. In Windeseile entpackten wir Kiste um Kiste. Es war ein Gefühl wie zu Weihnachten! Immer wieder waren wir überrascht, was wir in den Kisten alles wiederfanden! Auch wenn wir in den vergangenen Wochen dank der wunderbaren Einrichtun unseres Hauses und den vielen Dingen wie Töpfe, Geschirr und Bettzeug, welche unsere Vorbewohner hinterlassen hatten, alles hatten, was man zum Leben braucht, bekam das Haus bekam nun ein neues Gesicht durch unsere persönlichen Dinge, die wir schon fast verloren geglaubt hatten. Und als dann endlich Samstagmorgens die letzte Kiste ausgepackt war, fiel der ganze Stress der letzten Monate von uns ab.

letztekiste

Jetzt gilt es zwar noch, den juristischen Teil durchzustehen, der uns das „ergaunerte“ Geld aus dem Pearsons Nachlass wiederbringen soll, aber unser Leben hier hat eine neue Qualität bekommen: Wir sind nun endlich ganz angekommen. Und keine Minute zu früh, denn wir erwarten unseren ersten Besuch! Nina, eine gemeinsame Freundin aus Villach hat sich für die Halloween-Woche als erster Gast in unserem neuen Heim angekündigt. Nina kommt mit dem Flugzeug aus dem Süden und mit ihr eine Kältewelle aus dem Norden – mitten in die „Spooky Time“ der tanzenden Geister und Elementarwesen. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.

Und damit das alles nicht nur als Anklage gegen Umzugsservices wirkt...

... hier noch ein paar Berichte über wundervolle Begegnungen mit irischer Kultur, Natur und Menschen:

Das Gaelic Football Team unserer neuen Heimatgemeinde Fenagh [fi:na] ist Landesmeister geworden - yahoo!! Mit einem großen Finalerfolg setzen sie sich gegen die Konkurrenz durch und bringen nach 44 Jahren (!!!) den Cup endlich wieder nach Hause. Der Sieg wurde ausgiebig gefeiert - und wir waren mittendrin. Abends wurde im Pub gefeiert - natürlich mit Bier und viel Musik! Es war eine unglaubliche Stimmung - das gesamte Pub sang unsere Lieder mit (wir haben ja für solche Gelegenheiten ja auch einiges an Trinkliedern im Handgepäck;) Montag, der folgene Tag, war in Fenagh natürlich Sonder-Feiertag: Das öffentliche Leben pausierte für einen Tag und die Menschen des Ortes erzählten mit heiseren Stimmen und glasigen aber glücksstrahlenden Augen ihre Geschichten über den großartigen Sieg.

Beim Traditional Irish Set Dancing sind wir nun bereits zu Top Couples avanciert. Eileen, die Tanzlehrerin, hat uns für das Jahr fix mit eingeplant und einiges mit uns vor (so ihre eigene Aussage).

Sessions und Musik: Mit Mossie Martin gab es eine großartige Session in Drumshanbo und mit Gerry Harrington arbeitet mit Niko nun schon an den Essentials in der Kunst des Fiddlespiels. Die Mittwochssession in Ballinamore ist bereits fix im Wochenplan integriert, ebenso der wöchentlichen Einkauf am Bio-Markt in Carrick-on-Shannon. Den schaffen wir aber meist erst kurz vor Schluss des Marktes, denn Sessions enden selten vor Mitternacht…

Und dann ist da noch unsere liebe Familie McGovern, allen voran Marie, die uns mit allen aktuellen Infos rund um die Gemeinde versorgt. Fenagh hat kürzlich mit einem Community Effort einen Preis gewonnen. Marie hat uns zu den entsprechenden Feierlichkeiten eingeladen, zu der auch das Fernsehen angesagt war. Es wurde das gemeinsame Setzen von Blumenzwiebeln gefilmt und anschließend Interviews zur Bedeutung der „Community“ (Gemeinschaft) gemacht. Als „Zuagraster“ wurde Niko natürlich gleich mit interviewt. Ausstrahlung der Sendung ist Mitte November über das irische Fernsehen.

Und mit Freude geht’s gleich wieder in die Küche zu den ausgepackten und griffbereit eingeschlichteten Gewürzen oder in das neu konzipierte Wohnzimmer, in dessen Kamin nun immer wieder ein Feuerchen brennt und gemütliche Wärme abgibt.

Gewürze

Und dazwischen nehmen wir uns ein bisschen Zeit um zu reflektieren und euch an unseren Abenteuern Teil haben zu lassen. Nina ist gut in Irland angekommen und auch wenn es zur Zeit ein wenig frisch ist, hat sie sich doch auch schon mit dem hier grassierenden Irlandfieber infiziert. Sie ist erst ein paar wenige Tage da, und überlegt schon, wann sie wiederkommen möchte. Und dann ist da noch Halloween… Aber das erzählen wir euch in unserem nächsten Blog.

 

Fensterln auf tierisch: Diese kleine Katze kommt immer wieder zu Besuch und wagt sich auch schon mal herein...

Katze1 Katze2

Auch ein Halloween-Kürbis braucht mal ne Stärkung, damit er in der Nacht wieder kräftig gruseln kann:

HAlloween

 


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