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THE »BOG BLOG«

 

17.11.2018
Vom Singen, Knüpfen und Schnurren

Die Tage in Irland verfliegen. Wir sind nun schon sieben Wochen hier. Einerseits wirkt es, als wären wir gerade erst angekommen, andererseits haben wir schon so vieles erlebt, als wären wir bereits Jahre hier. Beide Eindrücke haben sicherlich ihre Berechtigung. Zum einen erleben wir immer wieder neue Dinge, fahren mit dem Rad gerade mal um die Ecke und entdecken neue Wasserwege und Brücken in nächster Nähe und bemerken, wie wunderschön hier schon die nächste Umgebung sein kann. Dann wieder sind wir Stammgäste bei den Sessions am Mittwoch, werden immer öfter als Top Couple bei unseren Set Dances eingeteilt und lernen so nach und nach die Crème de la Crème der irischen Musik persönlich kennen.

Der irischen Musik und ihrem Einfluss auf unser gemeinsames Hier-Sein soll ein großer Teil dieses heutigen Blogs gewidmet werden. Der andere Teil gehört der Natur mit ihren phantastischen Kreaturen und wo sie zu finden sind. Beginnen wir doch erst mal bei der Musik.

Geneigte Blogleser werden wohl schon mit Máirtín, Gerry und unseren Stamm-Pubs Quinn’s in Fenagh sowie McGirl‘s und Shortt‘s in Ballinamore vertraut sein. Die neueste Geschichte aber spielt in sich in einem Ort namens Manorhamilton ab. Und wie Vieles hängt sie mit unseren Begegnungen zusammen. Neulich sind wir mit Ursula, einer unserer Mittänzerinnen beim Set Dancing, über irische Musik, Tanzen und Singen ins Reden gekommen. Da erwähnte sie kurz, dass es dienstags in Manorhamilton eine Irish Singing Class gibt - „free of charge“, also gesponsert, um Lieder in Gälisch, der alten irischen Sprache, wieder unters Volk zu bringen. Sie ermutigte uns, doch mal vorbei zu schauen, es wären insgesamt sieben Abende mit einer recht bekannten Sängerin.
Klar erregt ein solches Angebot unser Interesse. Wir wollten doch immer schon irische Lieder singen lernen. Als das von Ursula versprochene SMS mit den Details kommt, schütteln wir ungläubig den Kopf: Cathy Jordan, die Sängerin der irischen Superband „Dervish“, sowie mehrmaliges Mitglied der Guinness Irish Christmas Tour in D/A/CH, ist die Leiterin des Workshops!! Es kostet uns keine Minute Überlegung, quer in den Kurs einzusteigen!
Als unser erster Kursabend kommt, sind wir gespannt auf die Begegnung mit jener Frau, deren Stimme wir bisher nur von CDs oder von der Bühne aus kennen. Nach einem arbeitsreichen Tag sind wir leider ein paar Minuten verspätet, was uns sehr unangenehm ist. Als wir den Kursraum – ein gemütliches Hinterzimmer eines urigen Pubs – betreten, ist erst einer der Teilnehmer da. Wir haben hier zwar schon öfter von der sogenannten „Leitrim-Time“ gehört, es allerdings mehr für Spaß gehalten, dass man es hier in unserem schönen County Leitrim mit Zeitangaben eher stessfrei nimmt. Doch es scheint was Wahres dran zu sein, denn so irgendwann nach der angegebenen Zeit fangen wir dann mal an. Der Kurs dauert etwa zwei Stunden und die letzten der 12 Teilnehmer kommen rechtzeitig zur zweiten Halbzeit. Da sind wir schon mitten drin bei den Feinheiten der irischen Aussprache, lernen „Mo Ghile Mear“ und weitere wunderschöne Lieder, plaudern zwischendurch mit Cathy, die übrigens mit einer österreichischen Jodelkünstlerin befreundet ist und sich auf das heurige Guinness Irish Christmas Festival freut, bei dem sie dieses Jahr wieder mit tourt. An alle Blogleser, die bei einer der Tourabende im Feldkirchner Amthof oder in Wien dabei sein werden, gebt Cathy bitte von uns einen Sonderapplaus ;) Sie ist eine großartige Sängerin und wunderbare Lehrerin. Mit ihr und den anderen "Experten" der irischen Sprache, die sich bei unseren Singabenden treffen, gewinnen wir einen immer tieferen Einblick in die irische Seele.

Wie schon in unseren vorherigen Blogs berichtet, zählt das Knüpfen zu unseren jüngsten Lieblingsbeschäftigungen: Ja, wir knüpfen täglich fleißig weiter an unseren Netzwerken. Vorige Woche schafften wir es endlich, ins Visitor Center unserer Heimatgemeinde Fenagh, welches wir schon länger besuchen wollen, reinzuschauen. Und wie der Zufall so will – das Wort dafür heißt in Irland „Serendipity“ – trafen wir dort jene junge Frau, die unser Fenagh Abenteuer unbeabsichtigt wesentlich mit initiiert hat. Sie ist die Tochter von Monica, der Vermieterin unseres ersten Lieblings-Ferienhauses in Ballinamore, in dem wir uns drei Irlandsommer lang eingemietet hatten. Hätte Monica das Haus nicht letztlich für ihre Tochter selbst gebraucht, hätten wir wohl auch weiterhin zu unserer jFestival-Woche dort gewohnt und hätten somit weder Geraldine noch Marie getroffen und hätten wahrscheinlich nicht unser schönes Häuschen in Fenagh bekommen... Nun saß ebendiese Tochter im Visitor Center und arbeitete dort! Und weil ein kleines Café dazugehört und man sich dort kennt und trifft, ergaben sich gleich verschiedene Gespräche auch mit anderen Café-Besuchern. Es folgten Einladungen zum Ceilí-Tanz montagabends, zum Drama Workshop, zur Tidy Towns Gruppe und vieles mehr.

Und dann ist da natürlich Marie, die uns vergangenen Sonntag wieder mal zum Musizieren in Quinn‘s Pub eingeladen hatte. Nach unserer Sonntags-Session in Schortt’s Pub in Ballinamore, die gottseidank etwas früher endet, machen wir uns auf den Weg zu Quinn’s in Fenagh. Als wir das Pub betreten, herrscht Stille – alle schauen gebannt auf den TV-Bildschirm, denn es beginnt just in dem Moment die Sendung, für die Mary und Niko bei der Community-Veranstaltung Mitte November in Fenagh die Interviews gegeben hatten. Wir setzen uns natürlich dazu und verfolgen gemeinsam mit den Anderen die Preisverleihung. Danach muss wieder mal gefeiert werden, denn Fenagh hatte den erhofften Sponsoring-Hauptpreis gewonnen! Und wie feiert man bei Quinn’s? Mit gemeinsamem Singen bei einem gemütichen Gläschen Guinness. Und alle im Pub machen mit. Wir geben so manches Lied vor, aber es ist die Gemeinschaft, die uns durch diesen Abend trägt. Und ganz nebenbei entdeckt Christina die geschmackliche Diversität von Guinness mit einem Schuss Heidelbeersaft, die hierzulande vor allem unter den Pub-Besucherinnen beliebt ist – hmmm!

Zwischen all den Dingen, die es zu erleben gilt, genießen wir unser schönes Häuschen. Tibby Tabby ist inzwischen bei uns eingezogen, liebt es, sich bei uns auf der Couch schnurrend vom Mäusefang zu erholen und bringt ab und zu ihre kleine Tochter mit zu Besuch. Die ist eine dreifärbige Glückskatze, etwa ein halbes Jahr alt und kommt bereits auf Berührungsdistanz bis zur Haustür, dennoch stets vorsichtig und fluchtbereit. Ganz nebenbei lernen wir die uns hier umgebende Natur immer besser kennen. Neulich sahen wir im Scheinwerferlicht unseres Autos unseren ersten Dachs wie er sich in Nachbars Garten verdrückte, sahen Füchse, Rehe, Spitzmäuse und größere Mausarten und tagsüber natürlich Kühe, Pferde, Esel und Schafe. Unser Vogelhäuschen wird trotz der beiden Katzen fleißig frequentiert von Spatzen, Meisen, Finken, Bachstelzen sowie einem Elsterpärchen und freut sich über gelegentlichen Besuch der Zaunkönige. Das alles hier idyllisch zu heißen wäre eine veritable Untertreibung.

Last but not least wollen wir auch noch dem irischen Wetter kurze Beachtung schenken. Dem Klischee entsprechend sollte es hier jeden Tag regnen. Und kalt sein. Denn wir sind ja hier im Norden. „Le Nord!“ wie es in dem Film „Willkommen bei den Sch’tis“ so schön heißt. Dem Ruf des „kalten Nordens“ wurde Irland allerdings nur in der Woche mit Nina gerecht. Denn da war es dank der arktischen Strömung tatsächlich kalt und teilweise sogar frostig. Nach jener Woche hat sich die Temperatur wieder um die mittleren 10er Grade eingependelt. Und der Regen ist ein eher seltener Gast. Dennoch scheinen die Leute hier mit dem Wetter ihre Probleme zu haben. Immer wenn man darauf zu sprechen kommt, dass wir nun hierher gezogen sind, heißt es: „Oh, das ist schön! Herzlich willkommen! Aber das Wetter…“ Und wenn wir dann auf die wunderbaren Tage der letzten Wochen hinweisen, stellt man mit Erstaunen fest, dass es ja eigentlich tatsächlich viel schöner war, als es das Klischee vorgaukelte. Irland verwöhnt dies Jahr mit einem erstaunlich milden und relativ trockenen Herbst, der jeden Tag immer neue Farbenspiele in Himmel und Landschaft zaubert. Und das Herbstlicht macht den Ort noch magischer…

Inzwischen laufen auch schon die Bewerbungen für unsere ersten Jobs, der Wochenlauf ordnet sich. Montags erledigen wir Dinge des Alltags in der näheren Umgebung. Dienstagabend gehört Manorhamilton und Irish Singing mit Cathy Jordan. Mittwochabend steht Tanzen und Musik im Vordergrund, donnerstags ist Carrick-on-Shannon-Tag mit Markt und Wochen-Einkauf. Freitags fährt Niko zu Gerry Harrington und lernt seine Fiddle neu zu spielen und Sonntagabend klingt die Woche mit einer weiteren Session in Ballinamore aus. So lange es uns zeitlich möglich ist, genießen wir es, tief in die irische Kultur einzutauchen. Das Angebot ist derart vielfältig, dass wir gar nicht alles wahrnehmen können. Aber so nach und nach strukturiert sich alles und wir sind schon gespannt, welche Jobs wir bald in all das einzufügen dürfen ;)

Das ist dann eine weitere Geschichte.

 


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