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THE »BOG BLOG«

 

10.12.2018
Die zweite Adventwoche oder
„Santa Claus is coming to Town!“

Dieses Mal, so dachten wir, gäbe es fast nichts zu erzählen. Wir haben einfach alltagsmäßig in Irland gelebt, unsere Hausaufgaben gemacht, Bewerbungen geschrieben, zwischendurch mal ein paar Menschen getroffen und unsere „Wildkatze“ gestreichelt. Aber passiert ist nicht viel, oder doch? Nun ja – da war mal der Sonntag mit einer etwas seltsamen Nachmittagssession und ein Donnerstag, an dem ein Tee mit Máirtín diesmal nur kurze drei Stunden gedauert hat. Und da war dann auch noch das Konzert mit unserer irischen Singgruppe. Und der Nikolaus, der hier Santa Claus heißt, war auch da. Auch wenn es wie eine ruhige Woche schien, ist doch einiges passiert. Und dann herrscht derzeit auch noch der irische Weihnachtsdeko-Wahn, oder besser die Lust, das Eigenheim für Santa auch im Nebel sichtbar zu machen. Aber erst mal der Reihe nach.

Nach unserem letzten Blog waren wir wieder einmal im Shortts, einem Pub in Ballinamore, um dort unsere bereits gewohnte Sonntags-Nachmittags-Session zu besuchen. Alles in Allem war sie fast unspektakulär und die Mitmusiker, zumeist eher jüngeren Alters, trudelten erst recht spät zum gemeinsamen Musizieren ein. So blieb ein wenig Zeit, mit Máirtín und anderen zu plaudern, und den einen oder anderen neuen Tune zu probieren. Als die Session dann so gegen acht Uhr so richtig los ging, war sie auch schon wieder zu Ende. Wir beschlossen, diesmal wirklich nur einen Schluck Tee bei Máirtín auf seinem Boot zu nehmen und schafften es sogar vor Mitternacht zu Hause zu sein. Die drauffolgende Montagsqualität nutzen wir gleich dazu, unsere CV’s nach Carrick in das dortige Bildungsbüro zu bringen. Dort hatten wir ein nettes Gespräch und bekamen viele Tipps für nächste Bewerbungs-Schritte in Sachen Lehreranstellung. Dann gings noch zum Shoppen zu SuperValu und anschließend zurück in unser gemütliches Haus.

Am Dienstag und Mittwoch wurden Haus und Garten gewidmet. Wir schafften es sogar, unsere Rosen einzuwintern, die Pflanzen zurückzuschneiden und Platz für neue Frühlingsboten zu schaffen. Und dann versäumten wir zum ersten Mal unseren Tanzabend in Leitrim Village, weil der Elektriker zu Besuch kam, um einige Lampen zu richten. Sie funktionieren jetzt wieder und auch Rundumbeleuchtung ist jetzt auf LEDs umgestellt. 

Donnerstag war dann wieder Máirtíns-Abend, und zum ersten Mal schafften wir es, ohne philosophische Gespräche fast den ganzen Abend Musik zu machen. Und was für eine Musik das war! Sie schien aus dem Nichts zu kommen, ungeplant und unerwartet. Aber sie fühlte sich gut an. Und so verbrachten wir den Abend schwelgend in der Vielfalt der Klänge. Nikos seltsames Instrumenten-Sammelsurium kam zum Einsatz und Máirtín zeigte sich von den Möglichkeiten begeistert. Am Ende hatten wir schon so etwas wie ein erstes kleines Programm entwickelt. 

Musik war in dieser Woche generell ein sehr bedeutsames Thema, wurden wir doch letzte Woche darüber informiert, dass unser neuer Chor „Ag Canadh le Cathy“ mit Liedern in alter irischer Sprache, dem wir nun ganz offiziell angehören, seine erste Bewährungsprobe in Manorhamilton bei einer Vernissage im dortigen Sculpture-Centre haben sollte. Der Auftritt selbst bestand dann aus drei gälischen Liedern, zwei musikalischen Überleitungen und einem Gedicht von Turlough O‘Carolan zu seinem wundervollen Air „Sheebeg Sheemore“. All das sollten wir instrumental begleiten und natürlich aus Leibeskräften mitsingen. Ein erster offizieller musikalischer Auftritt für uns in Irland – wer hätte das gedacht… Für alle, die jetzt sagen „Das war ja klar!“, hier nur noch mal die Ausgangslage: Wir kamen als Novizen der irischen Musik in das Land, aus dem diese Musik stammt. Dort – so dachten wir – gibt es genügend andere Musiker, die ihre Sache weit besser verstehen. Aber wir finden hier einmal mehr, dass die Musik unser Türöffner ist. Und so lernen wir immer mehr Menschen kennen, die für unsere weitere Zukunft interessant sein können.
Das Konzert lief reibungslos ab und die Feuertaufe des neuen Chors ist bestanden – mit Niko Gitarrist und Christina und Brian mit ihren Flöten, die unsere Lieder umspielen. Und wir alle sind mächtig stolz auf unser erstes kleines Konzert. „Go raibh mile math agat“ an alle Beteiligten ;)

Ag Canadh le Cathy

Ende der Woche fühlte sich Christina ein bisschen angeschlagen. So sollte der Samstag ein kleiner Verschnauftag werden. Doch bei einem Telefon-Plausch mit Marie erfahren wir, dass heute die Weihnachtsbeleuchtung in Fenagh angezündet wird, und dass das ein ziemliches Gemeinschafts-Spektakel sei. Natürlich lassen wir uns das nicht entgehen! Mit einer wärmenden Tasse Tee in der Hand unter den Regenschirmen zusammenrückend werden – vom Kirchenchor angeleitet – irische Weihnachtslieder angestimmt bis „Santa Claus“ schließlich am Dorfplatz in Fenagh Einzug hält, die Weihnachtsbeleuchtung anzündet und Geschenke für die Kinder bringt. Wir freuen uns einmal mehr, Teil dieser lebenslustigen Dorfgemeinschaft zu sein…

Santa Claus is coming to Fenagh Town!!!

Waiting for Santa Singing for Santa Santa is coming to town! Santa bringing presents

Der Sonntag wird einem Besuch in Sligo gewidmet. Angesteuertes Ziel ist der Flughafen von Strandhill mit einem ganz besonderen Weihnachtsmarkt im dortigen Hangar. Für den etwa einstündigen Weg nach Sligo wählen wir eine alte, kurvige Straße, die sich von besonderer Schönheit erweist – speziell heute, wo sich Regen und Sonne abwechselnd den Himmel teilen und dadurch die unglaublichsten Lichtspiele und Regenbögen auf das Himmelsrund zaubern. Da die Sonne nun ihren nahezu tiefsten Stand erreicht hat, fällt ihr Licht sehr flach und goldig-warm ein. Dämmerung wie Sonnenuntergang dauern nun jeweils fast zwei Stunden und selbst im Mittagslicht sind die Schatten zumeist länger als der dazugehörende Körper.

Als dann die Küste näher kam blies uns ein scharfer Wind entgegen. Da war es nicht weiter verwunderlich, dass wir vor dem Markt noch schnell einen Umweg an den Strand machen mussten. Dort warteten meterhohe Wellen und eine unbeschreibliche Brandung fotografiert zu werden. Wie mag ein solcher Tag wohl auf unserem Lieblingsstrand auf der anderen Seite der Sligo Bay aussehen? Es mag nicht verwundern, dass wir unsere Pläne ein wenig adaptierten, um nach dem Weihnachtsmarkt auch diesen Eindruck noch mitzunehmen. Zunächst ging es aber erst mal in den Flughafenhangar, wo ein festlich geschmückter Kunsthandwerksmarkt im Gange war. Der Markt übertraf unsere Erwartungen. Und als wir dort auch noch Laura, unsere Gemüsebäuerin vom Markt in Carrick trafen, merkten wir wieder einmal, dass wir am richtigen Platz sind. Der Markt war voller kleiner und größerer Anregungen und so manches Handwerksstück wollte uns danach nach Hause begleiten. Besonders anregend war aber ein Gemüsestand mit frischen, ganzen Kohlsprossenstauden und ein „beschaltes“ Rentier („Moose“) sowie Duftkerzen zum Schmelzen. Und dann kam auch noch Santa, der wegen der Luftüberwachung auf seine Rentiere verzichten musste, weshalb freundlicher Weise die irische Küstenwache mit ihrem Helikopter einsprang (siehe Foto! Anm. d. Red.: Santa sitzt hier echt am Sprung!). Und während die Familien nach dessen Landung mit Santa Fotosession machten, machten wir Fotosession mit Kohlsprossen :)

Nach den bunten Weihnachtsmarkt-Eindrücken beschlossen wir kurzerhand noch einen Sonnenuntergangs-Abstecher zu unserer herrlichen „Acers-Bay“ zu machen. Was uns dort erwartete, übertraf wieder einmal unsere kühnsten Vorahnungen: Wie eine gigantische Wasch-Schleuder drehte und wandt sich das Wasser zu sprudelnden Schaumbergen und stob über die Felsklippen donnernd herein. Der stürmische Wind und die nahende Flut ließen uns diesmal etwas weniger Zeit, dem tosenden Wellen-Reigen im Abendlicht beizuwohnen.

 

Ach ja, wir haben eine neue Geschichtenschreiberin: "Lady Eshna von Purr" hat beschlossen, uns bei jedem Blog ein kleines bisschen aus dem Leben einer armen Streunerkatze zu erzählen. Hier ihre ersten Tatz-Versuche:
"Aobh! Aobh!" (irisch-transkribiert: "iauw! iauw!" – wir werden so gut wie möglich übersetzen) "Mau – Hallo erst mal. Ich bin eine Katze mit eigenem Sinn und wer mich mal erleben möchte, sollte einige Regeln streng befolgen. Erstens: Nähere dich deiner Streunerkatze auf gleichem Niveau. Wir sind keine Mietz-Mietz-Mietzekatzen. Wir sind stolze Tiere mit einem entsprechenden Hunger nach Abenteuer, gelegentlichen Romanzen und kleineren Kämpfen. Damit wir all die Unbill der Welt gut überstehen, brauchen wir Rückzugsräume und erdulden dort ab und an sogar das Beisein einiger auserlesener und gut erzogener Menschen. Und wir sind neugierig. Letztens hatten meine Menschen leuchtende Flachmäuse und Flachvögel unter einer kleinen Glasscheibe – das war spannend! Und sie haben einen Tisch mit runden Mäusen, die sie mit einer Stange in Ecken hineinrollen... Das kann ich auch mit meiner linken kleinen Kralle!

Digital Cat Snooker Cat

Und wir brauchen regelmäßig Futter von hoher Qualität. Und wenn ich Qualität sage - genau! - dann meine ich Menge. Ein aufreizendes „iauw“ heißt Hunger, zwei „iauw“s Hunger und Spielbedürfnis. Weitere Maunze bedeuten, dass das Futter nicht der entsprechenden Qualität entspricht, also zu wenig ist! Danach muss ich meine Menschen wieder beschäftigen: Sie sollen mir das Fenster öffnen, damit ich hausspringen und eine Runde um die Häuser ziehen kann, damit sie sich nicht zu sehr an mich gewöhnen. Menschen werden sonst so sentimental.
Bis zum nächsten Mal, wenn ich mal wieder Lust habe… "

 


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