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Und es gibt ihn doch!

Unser erster richtiger Schnee in Irland... Eine grüne Landschaft wird in weiß getaucht und unerwartet steht das öffentliche Leben still. Nach einigen Tagen in den höheren einstelligen Graden hatte der irische Wetterdienst „Met Éireann“ schon vor dem hierzulande seltenen Ereignis gewarnt. Aber was Schnee in Irland bedeutet, erfährt man dann doch erst ganz unmittelbar. Dienstag Abend. Das Thermometer sank langsam von angenehmen 10 Grad auf gerade mal knapp über dem Gefrierpunkt und ein eisiger Wind aus dem Osten trug feuchte Luftmassen in Richtung Leitrim. Und als uns per SMS die ersten Absagen für Sessions und Proben erreichten, fielen bereits erste Schneeflocken auf die regennasse Straße. Schon bald bedeckte ein weißer Flaum die eben noch grüne Landschaft. Die Nacht war noch stiller als sonst.

Über Nacht breitete sich eine etwa sieben Zentimeter dicke, flaumige Neuschnee-Decke über das Land. Der öffentliche und private Verkehr kam damit völlig zum Erliegen. Schulen und Ämter und viele Betriebe blieben geschlossen, Absagen für Kurse, Tanzen und Sessions waren die unvermeidliche Folge. Ein Schnee-Ereignis, das in Österreich gerade mal als Zuckerguss einen winterlichen Eindruck erwecken würde, machte hier jede Mobilität zunichte und verzauberte unsere Straße in eine Dornröschen-Kulisse. Leitrim Time – der Puls der Landschaft gibt die Geschwindigkeit des Handelns vor. Leitrim Time im Schnee – der Puls hält inne. Ruhe und Gelassenheit sind angesagt.
Während wir als Zentraleuropäer gewohnt sind, dem Wetter nur einen Nebenschauplatz in unserem Verhalten zuzugestehen, zeigt uns Irland, dass es auch Zeiten des Zurückziehens gibt. Am besten zeigt das wohl der Tweet unserer Tanzgruppenleiterin: „Schaut euch die dritte Figur online zu Hause an, genießt den Schnee und bleibt zu Hause!“ – äußere Weis(ß)heit zu innerer Ruhe.

Schnee Schnee Schnee Schnee Schnee

Als Niko am Freitag wieder in Richtung Carrick zum Job Club musste, wurde schnell klar, warum hier alles stillsteht. Die ländlichen Nebenstraßen waren auch nach zwei Schnee-Tagen nicht geräumt. Die wenigsten Autofahrer haben Schnee- und Eis-Erfahrung oder gar Winterreifen. Auf dem Weg über Keshcarrigan tuckerten Autos in Schrittgeschwindigkeit über die Eisflächen und man hielt sich fahrbahnmittig auf, um nicht über eine Eisfläche in den Straßengraben zu schlittern. Leitrim Time – alles bewegt sich, ohne Hektik. 10 Minuten zu spät sind immer noch sicherer angekommen. Und jeder versteht hier, dass es Zeiten gibt, in denen Pünktlichkeit nur eine Tugend unter anderen ist, denn Sicherheit geht vor! Auf Grund der Seltenheit von Schnee gibt es hierzulande nur wenige Einsatzfahrzeuge zum Räumen und Streuen. Hauptaugenmerk gilt da den Hauptstraßen. Sie waren am Freitag gut geräumt, und zeigten, dass Irland auch mit diesem Wetterphänomen durchaus umzugehen weiß. Aber es muss ja nicht immer alles sein, oder?

Für Christina kam die Schneewoche aus einem ganz eigenen Grund sehr passend. Ihre erste Arbeitswoche im Kindergarten in Carrigallen war wunderschön: Ein gutes Arbeitsklima, nette Kollegen, schöne Begegnungen und Erfolge mit den Kindern und Vieles, das einen guten Arbeitsplatz erahnen lässt. Als Christina am Ende ihrer ersten Arbeitswoche glücklich ins Wochenende fährt, schleicht sich unmerklich ein kleiner Gast mit nach Hause… Als wir abends dann zu einer Trad Music Session nach Drumshanbo eingeladen sind, wird schon während der Anfahrt klar, dass Christina sich nicht ganz wohl fühlt. Mit fortlaufendem Abend zeigt sich, dass jener kleine Freund bereits sein Unwesen treibt und Christinas Immunsystem herausfordern will. Immerhin bringt uns das den ersten Besuch bei einem irischen Doktor. Der erklärt nach eingehender Untersuchung, dass es sich um einen Virus handelt, und verordnet Chris ein paar Tage Bettruhe. Auch wenn es noch so unangenehm ist, hochmotiviert eine neue Stelle angetreten zu haben und dann gleich krank zu werden, zeigt sich die Kindergartenleiterin sehr menschlich und verständnisvoll. Alles braucht seine Zeit. Da kommen die Schneetage fast zur rechten Zeit und Christina kann sich zu Haus im Bett fein und warm einigeln.
Um dem Heilungsprozess möglichst gut zu unterstützen, baut Niko noch schnell unsere Stube um und schafft so ein geeignetes Krankenlager. Am Wochenende scheint uns dann die Sonne herein und Chris ist eindeutig auf dem Weg der Besserung. Unsere Wildkatze ist auch eine ausgebildete Krankenkatze und hilft mit viel Schnurren und guter Laune. Sie findet das neue Möbel-Arrangement in der Stube mit Sitzbank und Liegecouch übrigens ganz hervorragend.

Und last but not least hier wieder ein paar Grußworte von "Lady von Eschna-Purr":

„Die letzten Tage hat es seltsam weiß geregnet. Weiße Katzen sollten nun fast unsichtbar sein, aber nein, auch Mäusespuren verlaufen sich im Schnee... Vögel sind bei den Temperaturen keine leichte Beute und der Boden ist so kalt. Hab mir an einer Zehe fast eine Verkühlung geholt! Nun denn, ich bin jetzt viel im Haus. Speziell, weil einer meine Adoptivmenschen krank geworden ist. Sie braucht jetzt eine Katze, die viel neben ihr schläft. Ich bin dieser Aufgabe gewachsen und versuche, sie in den Schlaf zu schnurren. Menschen sind so anhänglich. Warme Stubenhaben was Feines - ich freu mich allerding schon, wenn die Jagdsaison wieder beginnt. Also nächste Woche ist der Schnee weg, versprochen? Für all die Menschen da draußen, die meine Abenteuer hier verfolgen, keine Bange, wir kriegen sie schon wieder hin. Ich kann mich um meine Menschen hier gut kümmern.“


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