HOME :: KONTAKT

 

Frühling! Ostern!

sheep foal

Frühling! Ostern! Alles grünt und blüht und auf den saftigen Weiden tummeln sich überall junge Lämmchen, Kälbchen und Fohlen in heller Lebensfreude. Der Tod scheint da unendlich weit weg zu sein. Und dennoch gehört auch dieser zu allem Lebendigen.

Wir leben nun seit sieben Monaten hier in Leitrim. Zuvor haben wir als Reisende schon vieles über dieses Land gelernt. Aber die Erfahrungen, die wir jetzt machen dürfen, da wir uns hier in eine Gemeinschaft einleben, die gehen viel tiefer. Eine Geburt – neues Leben – das ist immer wieder etwas ganz Wunderbares. Der Tod – Abschied und Zurückbleiben – das ist etwas, das bislang nicht wirklich Teil unseres Lebens war. Der Tod war für uns bisher etwas, das nur die enge Familie betroffen hat, etwas, das eher im Verborgenen stattgefunden hat. Hier in Irland lernen wir einen ganz anderen Umgang damit kennen, haben wir doch als Nachbarn und Freunde nun schon unser viertes „Wake“ miterlebt. Ein österreichisches Äquivalent dürfte wohl die kaum noch übliche „Totenwache“ sein. Hierzulande ist der Tod nicht Sache der engsten Familie, sondern etwas, das einmal mehr von der Gemeinschaft getragen wird. Wenn ein Mensch verstirbt, wird er noch einmal für zwei bis drei Tage in seinem Hause aufgebahrt, während seine Angehörigen bei ihm wachen. Nachbarn und Freunde übernehmen dabei die Organisation von Tee und Kaffee mit Imbissen in der Küche sowie die Verkehrs- und Parkregelung in der Straße und vor dem Haus. Das Haus steht in dieser Zeit allen offen, die sich vom Verstorbenen verabschieden und der Familie nun Beistand leisten möchten. Und da ist unglaublich viel los! Die Trauer wird von der Gemeinschaft geteilt und mitgetragen. Auch wenn wir die Verstorbenen bislang nicht persönlich gekannt hatten, standen wir doch mit den jeweiligen Hinterbliebenen als Nachbarn oder Freunde bereits in einer Beziehung und erfuhren eine unglaubliche Dankbarkeit für unsere Anteilnahme beim „Wake“. Eine Erfahrung, die wir als Stärkung erleben, da sie uns ermöglicht auch mit dem Tod umgehen und ihn als Teil des Lebens integrieren zu lernen.

Schöne Dinge gemeinsam zu erleben kann etwas sehr Verbindendes sein. Wenn eine Gemeinschaft aber auch durch dunkle Zeiten gemeinsam geht, verbindet das noch viel tiefer.

 

Oster-Familienbesuch

Zu Ostern waren unsere nächsten Gäste angesagt: Diesmal war Christinas Vater Wolfgang mit Susanna zu Besuch. Wir hatten uns wie immer akribisch vorbereitet, um sie an den Schönheiten unserer Landschaft teilhaben zu lassen. Und wie so oft wurden wir von eben dieser Landschaft selber überrascht, denn die Natur hier bleibt nicht stehen, und jeder Ausflug bringt immer wieder neue Perspektiven. So waren wir wohl schon zum sechsten Mal beim Glencar Wasserfall und zum sechsten Mal zeigte sich die Landschaft von einer neuen Seite. War es mit Isabell und Sandra noch der „Kamin des Teufels“, der durch Südwind und Regen zu spektakulären Fontänen aufstieg, so bildete diesmal der Bärlauch (hier "wilder Knoblauch" genannt) die beeindruckende Kulisse für das Betrachten der stürzenden Wasser. Ein grüner Teppich dieser wundervollen, essbaren Blätter ersteckte sich an beiden Ufern des kleinen Wildbaches und lud uns zum fleißigen Pflücken ein.


Bärlauch-Teppiche am Glencar Waterfall

Am Benbulben Forest Walk, den wir zu Weihnachten mit Valentin unternommen hatten, beginnt langsam die Rhododendronblüte und gibt den einen oder anderen Farben-Klecks in das nun schon überwuchernde Grün, das sich an den Flanken des majestätischen Tafelberges entlanglegt. Auch unsere Geschichte mit dem Felssturz, den unsere fleißigen Leser schon aus den ersten Kapiteln unserer Reise kennen, bekam seine Fortsetzung, denn unserem geschulten Auge entging nicht, dass dem Berg ein Zacken aus der Krone gebrochen war: Am östlichen Ende des Bergkamms klaffte eine beindruckende Lücke und das Gras darunter war von Geröll bedeckt. Erst unlängst muss hier ein riesiges Stück Fels ins Tal gedonnert sein...


Benbulben Forest Walk mit beginnender Rhododendron-Blüte und jüngstem Felssturz

Auch der Ausflug nach Bundoran ist immer wieder ein neues Erlebnis. Hatten wir zuletzt mit Isabell und Sandra den Strandzugang erkundet, war diesmal danke einer extremen Ebbe Höhleneingänge and den Flanken der Klippen freigegeben! So konnten wir mühelos einen Einblick in die wundersame Welt unter den Felsen nehmen. Beinahe hätten wir sogar die Fairy Bridges trockenen Fußes vom Strand aus hinaufklettern können, aber es kam dann doch bald die Flut herein. So blieb es bei einem feuchten Blick mit hochgekrempelten Hosen und rasch zurückkehrender Flut. Dennoch war diese kurze Höhlenexpedition ein weiteres Highlight einer wundervollen Reise.


Bundoran: Strandspaziergang mit Höhlen-Entdeckung

Da die Tage nun schon recht lang sind (die Sonne geht derzeit um kurz nach 21 Uhr unter), haben wir noch weitere Ausflugsziele angesteuert. Bei einer gemütlichen Kaffeepause am Mullaghmore Drive ließ sich sogar ein Seehund beobachten, als dieser neugierig in den Hafen schwamm. Leider ließ er sich nicht fotografieren. Auch Carrowmore sollte erwähnt werden: Hier liegt ein neolithischer Bestattungsplatz idyllisch am Fuße des Knocknarea und unterhalb von Meaves Grave, den wir auf einer unserer Fahrten genauer unter die Lupe nahmen. Und da wir nun schon gleichsam um die Ecke von Stradhill waren, machten wir doch gleich auch noch einen Abstecher an den Strand und gönnten uns wieder ein leckeres Eis bei "Mammy Johnstons"!

steinkreis
Carrowmore mit seinen eindrucksvollen, neolithischen Steinsetzungen

Ws wäre Ostern ohne Osterjause?! Die hatte Sonntagmorgen selbstverständlich ausgiebig Platz. Und da das Wetter uns an allen Tagen wohlig-warm gesonnen war, schlossen wir an das Oster-Brunch einen Spaziergang im Lough Key Forest Park an um unsere Mammutbäume zu besuchen, und wurden dabei von zauberhaften Teppichen von zarten, lila Glockenblumen überrascht, die überall im Wald wuchsen.

osterjause
Oster-Brunch zu Hause und Glockenblumen-Teppich im Lough Key Forest Park

Nebst den Naturschauspielen war auch Zeit für Musik und die obligaten Sessions. Der Sonntagabend stand eigentlich ganz im Zeichen der Musik, denn nach unserer Junior-Session in Shortt's Pub hatte uns Máirtín auch noch zu einem Gig in Mc Girls Bar als Gastmusiker eingeladen. Wolfgang und Susi konnten somit einen ganzen Abend in die Traditionelle Musik eintauchen.


Session in McGirl's Pub

Abgerundet wurde das Ganze am Ostermontag mit einer spontanen Bootstour mit Máirtín, der uns beim sommerlichem Wetter mit seiner Barke zu einer der vielen Schleusen führte, um uns auch einmal in den Genuss des Gleitens auf dem Wasser und des abenteuerlichen Auf- und Absteigens in der Wasserstufe kommen zu lassen.


Bootstour mit Captain Maírtín

Und hier noch eine kleine Randnotiz. Lady von Eschnapurr hat mittlerweile ziemlich an Umfang zugelegt...
Ob das etwas mit den Streuner-Nächten Ende Februar zu tun hat? Mal sehn, ob sie das Geheimnis im nächsten Blog gerne selbst lüften möchte.

Bis dahin alles Liebe
Niko & Christina

 


HOME :: KONTAKT